Skip to main content
ProdukteWissenswertes

Wo kommst du denn her?Heimische Wildblumen, REWISA® & warum Bio bei Zierpflanzen zählt

20. Mai 2026 Lesezeit ca. 6 Min Geschrieben von Paula Polak

Österreich hat 10 biogeographische Großregionen – und jede braucht ihre eigenen Pflanzen. Wir erklären, was eine REWISA®‑Zertifizierung wirklich bedeutet, wie Sie ein Pflanzenetikett lesen und warum auch Zierpflanzen aus biologischem Anbau stammen sollten.

„Wo kommst du denn her?“ – eine Frage, die man sonst freilaufenden Hunden oder Katzen stellt. Bei unseren Pflanzen hat sie eine andere, viel wichtigere Bedeutung. Denn die regionale Herkunft entscheidet darüber, ob eine Wildblume in Ihrem Garten gedeiht – und ob heimische Insekten überhaupt etwas mit ihr anfangen können.

Warum die Herkunft Ihrer Wildblumen entscheidend ist

Österreich ist ein landschaftlich vielfältiges Land. Von den Ausläufern der ungarischen Steppe bis zu den milden Lagen am Bodensee, von hochalpinen Wiesen bis zu fast mediterranen Kärntner Regionen, von 450 mm bis 2.500 mm Jahresniederschlag – Österreich bietet auf kleinem Raum extreme Unterschiede.

Diese unterschiedlichen Bedingungen bringen auch unterschiedliche Pflanzen hervor. Logisch: Sie mussten sich im Lauf der Evolution an die jeweiligen Verhältnisse anpassen – oder aussterben. Eine Wildblume aus dem Burgenland kommt mit ganz anderen Bedingungen klar als eine aus dem Salzkammergut.

Die 10 biogeographischen Großregionen Österreichs

Um die regionale Vielfalt fassbar zu machen, wird Österreich in zehn biogeographische Großregionen eingeteilt. Innerhalb jeder Region herrschen ähnliche Klima- und Bodenverhältnisse – und damit gedeihen dort ähnliche Pflanzengesellschaften.

Code Region Charakter
ÖFHÖstliche Flach- & HügelländerWeinviertel, Burgenland – pannonisch, trocken, warm
NAVNördliches AlpenvorlandHügellandschaft, OÖ & NÖ – feucht-gemäßigt
SAVSüdliches AlpenvorlandSteirisches & Kärntner Hügelland
WBWaldviertel & MühlviertelGranit‑Hochland, kühl, kontinental
NANördliche AlpenKalkalpen, niederschlagsreich
ZAZentralalpenHochgebirge, hohe Lagen
SASüdliche AlpenKärnten, Karawanken – mild
KBKlagenfurter Beckenillyrisches Klima, fast mediterran
BRBodensee‑Raummildes Westklima, hoher Niederschlag
ITInneralpine TrockentälerTirol, sehr trocken, viel Sonne

Die Wildeblumen – Teil des österreichweiten REWISA®‑Netzwerks – bemühen sich, für jede Region die passenden Pflanzen anzubieten. Da unser Betrieb in Regau (Oberösterreich) beheimatet ist, stammt der Großteil unseres Saatguts aus dem Nördlichen Alpenvorland (NAV). Saatgut anderer Regionen ziehen wir gezielt zu, damit auch Kund:innen aus dem Burgenland oder Vorarlberg passend versorgt sind.

Bunte Kronwicke (Securigera varia) in einer heimischen Wildblumenwiese – rosa-violette Schmetterlingsblüten
Die Bunte Kronwicke (Securigera varia) – eine typische heimische Wildblume, die je nach Region in unterschiedlichen Genotypen vorkommt. Foto: Paula Polak

Was bedeutet REWISA® eigentlich?

Kurzdefinition

REWISA® = Regionale Wildpflanzen und Samen. Ein österreichisches Zertifizierungs‑Netzwerk, das die regionale Herkunft und Echtheit heimischer Wildpflanzen lückenlos dokumentiert und unabhängig kontrolliert.

Konkret bedeutet das: Jede REWISA®‑zertifizierte Pflanze trägt einen Herkunfts‑Code, der wie eine kleine Stammbaum‑Adresse funktioniert. Auf unseren Etiketten finden Sie zum Beispiel diesen Code für die Sand‑Grasnelke:

Den REWISA®‑Code lesen: Beispiel WB24ÖFH

Der Code WB24ÖFH setzt sich aus drei Teilen zusammen:

  • WB = das Saatgut wurde von Wildeblumen selbst geerntet
  • 24 = Erntejahr (2024)
  • ÖFH = Östliche Flach‑ und Hügelländer (Weinviertel bis Burgenland)

Die REWISA®‑Herkünfte werden anhand offizieller Listen dokumentiert und jährlich – gemeinsam mit unserer Bio‑Produktion – von einer unabhängigen Prüfstelle kontrolliert. So lässt sich für jede einzelne Pflanze nachvollziehen, woher sie kommt.

Was steht sonst noch auf dem Pflanzenetikett?

Unsere Etiketten liefern alle Informationen, die Sie für eine erfolgreiche Pflanzung brauchen:

  • Deutscher und botanischer Name (z. B. Wiesen‑Salbei / Salvia pratensis)
  • Standortansprüche – Sonne, Halbschatten, Boden­art
  • Wuchshöhe – wichtig für die Beetplanung
  • Blütezeit – damit Sie das ganze Jahr Blüten haben
  • REWISA®‑Code – die regionale Herkunftsadresse

Warum heimische Wildblumen mehr sind als „nur schön“

Heimische Wildpflanzen fallen im Garten meist in die Kategorie „Zierpflanzen“ – wir pflanzen sie ja vor allem, weil sie schön sind. Eigentlich gehörten sie aber in eine eigene Kategorie: „Biodiversitätspflanzen“. Denn die unbestreitbare Schönheit ist nur ein Bonus. Ihr Hauptzweck ist, ihren Platz im Lebensnetz einzunehmen und Nahrung und Lebensraum für andere Tiere zu schaffen.

Spezialisten brauchen Spezial‑Pflanzen

Ohne Wildpflanzen könnten Wildbienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen & Co. nicht überleben. Sehr viele Insekten sind auf ganz bestimmte Pflanzenfamilien oder ‑gattungen spezialisiert.

Ein Beispiel: Die Glockenblumen‑Scherenbiene (Chelostoma rapunculi) kann mit einer Margerite oder einer Petunie genau gar nichts anfangen. Sie braucht – erraten – Glockenblumengewächse. Verschwinden die heimischen Glockenblumen, verschwindet auch sie.

Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia) mit violett-blauen Blüten – Lieblingspflanze der Glockenblumen-Scherenbiene
Die Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia) – ohne sie keine Glockenblumen‑Scherenbiene. Foto: Paula Polak
Wilde Möhre (Daucus carota) mit Königskerze – heimische bio-zertifizierte Wildblumen ohne Pestizidbelastung
Wilde Möhre (Daucus carota) und Königskerze – heimische Wildblumen aus bio-zertifizierter Produktion. Foto: Paula Polak

Warum Zierpflanzen unbedingt bio sein sollten

Bei Obst und Gemüse ist Bio für viele längst selbstverständlich: Wir wollen unseren Körpern nur Gutes tun, und Agrargifte fallen nicht in diese Kategorie. Aber warum bei Zierpflanzen?

Das schlüssige Argument: Auch Bienchen und Co. sollen nicht vergiftet werden. Es reicht, was Landwirtschaft, Verkehr und Umweltbelastung ihnen ohnehin antun. Wer in den eigenen Garten oder aufs Balkonkisterl bewusst „bienenfreundliche Pflanzen“ setzt, möchte etwas Gutes tun – und sollte deshalb auch sicherstellen, dass diese Pflanzen wirklich gut sind.

Was die Greenpeace‑Studie „Giftiger Garten Eden“ zeigt

Wer es genau wissen will, sollte einen Blick in die Greenpeace‑Studie „Giftiger Garten Eden“ aus dem April 2014 werfen. Sie analysierte Laborproben von Zierpflanzen aus Baumärkten, Gartencentern und Supermärkten in zehn europäischen Ländern. Die getesteten Pflanzen – darunter Lavendel, Glockenblumen und Veilchen – wurden konsumentenseitig oft als „bienenfreundlich“ wahrgenommen.

Greenpeace 2014 · 86 Proben aus 10 Ländern
97,6 %
der untersuchten Zierpflanzen enthielten Pestizidrückstände
79 %
waren mit bienenschädlichen Pestiziden belastet
14 %
enthielten Wirkstoffe ohne EU‑Zulassung

Eine österreichische Folge­untersuchung 2016 testete gezielt Lavendelpflanzen bei sieben großen heimischen Anbietern – mit ähnlich ernüchterndem Ergebnis. Eine einzelne Probe enthielt Rückstände von 12 verschiedenen Pestiziden, darunter den als „Bienenkiller“ bekannten Wirkstoff Deltamethrin.

Fazit

„Bienenfreundlich“ auf dem Etikett ist kein Schutz vor Pestiziden. Wer Insekten wirklich helfen will, achtet auf Bio‑Zertifizierung – idealerweise kombiniert mit regionaler Herkunft.

Und wenn ausnahmsweise doch konventionell?

Ehrlich gesagt: Manchmal – selten, aber doch – steht auch bei unseren Pflanzen „aus konventioneller Herkunft“ am Etikett. Das ist unsere Notlösung, und wir möchten transparent erklären, wie es dazu kommt.

Hauptsächlich produzieren wir unsere Stauden selbst, bio‑ und REWISA®‑zertifiziert. Es kann aber vorkommen, dass einzelne Arten plötzlich ausverkauft sind – es sind immer wieder andere, die spontan stark nachgefragt werden (wenn Sie uns das erklären können: wir lauschen gespannt).

Unsere Eskalations‑Kette bei Lieferengpässen

  1. Erste Wahl: Kolleg:innen im REWISA®‑Netzwerk, die ebenfalls bio‑zertifiziert sind
  2. Zweite Wahl: REWISA®‑zertifiziert, aber nicht bio
  3. Notlösung: ein niederösterreichischer Gartenbaubetrieb, nicht bio‑zertifiziert, der sich aber großteils an Bio‑Richtlinien hält

Es ist immer eine Abwägung: Liefern wir nur Perfektes und lassen Kund:innen warten – oder stellen wir wenige Prozent artenrichtig, aber konventionell bei? Sie entscheiden.

Ihre Wahl im Bestellvorgang

Im Bestellvorgang können Sie aktiv festlegen, ob wir Ihnen im Notfall (a) konventionell produzierte Pflanzen liefern dürfen, (b) bei Pflanzensets einzelne Arten durch vergleichbare ersetzen dürfen – oder (c) lieber gar nicht. Ihre Wahl, Ihre Pflanzen.

Häufige Fragen zu Herkunft, REWISA® und Bio

Was bedeutet REWISA®?

REWISA® steht für „Regionale Wildpflanzen und Samen“ und ist ein österreichisches Zertifizierungs‑Netzwerk. Es garantiert, dass Wildpflanzen und Saatgut nachweislich aus einer der 10 biogeographischen Großregionen Österreichs stammen. Jede zertifizierte Pflanze trägt einen Herkunfts‑Code wie z. B. WB24ÖFH, der Erntejahr und Region eindeutig dokumentiert. Eine offizielle Prüfstelle kontrolliert die Herkünfte jährlich.

Wie viele biogeographische Regionen hat Österreich?

Österreich wird in 10 biogeographische Großregionen eingeteilt – von den Östlichen Flach‑ und Hügelländern (ÖFH, z. B. Weinviertel und Burgenland) über das Nördliche Alpenvorland (NAV) bis zu den Hochalpen. Innerhalb jeder Region herrschen ähnliche Klima‑ und Bodenverhältnisse, weshalb regional angepasste Pflanzen dort am besten gedeihen.

Warum ist die regionale Herkunft von Wildblumen wichtig?

Wildblumen haben sich über Jahrtausende an ihre Region angepasst – an Niederschlag (in Österreich zwischen 450 und 2.500 mm pro Jahr), Bodentyp, Klima und Höhenlage. Regional passende Pflanzen sind robuster und brauchen weniger Pflege. Gleichzeitig sind sie Lebensgrundlage für spezialisierte heimische Insekten wie die Glockenblumen‑Scherenbiene, die ausschließlich Glockenblumengewächse besucht.

Warum sollten Zierpflanzen bio‑zertifiziert sein?

Eine Greenpeace‑Studie aus 2014 („Giftiger Garten Eden“) hat 86 Zierpflanzenproben aus 10 europäischen Ländern analysiert. 97,6 % enthielten Pestizidrückstände, 79 % sogar bienenschädliche Wirkstoffe – darunter Lavendel, Glockenblumen und Veilchen, die als „bienenfreundlich“ beworben wurden. Bio‑zertifizierte Pflanzen schließen diese Belastung aus.

Was bedeutet der Code WB24ÖFH auf dem Pflanzenetikett?

Der REWISA®‑Code ist eine Herkunftsadresse für die Pflanze. WB = Saatgut wurde von Wildeblumen selbst geerntet. 24 = Erntejahr (2024). ÖFH = Östliche Flach‑ und Hügelländer (Weinviertel bis Burgenland). So lässt sich für jede Pflanze nachvollziehen, wer das Saatgut wann und in welcher Region geerntet hat.

Verkauft Wildeblumen auch konventionelle Pflanzen?

Standardmäßig sind unsere Pflanzen bio‑ und REWISA®‑zertifiziert. Bei kurzfristigen Lieferengpässen einzelner Arten kann es in seltenen Fällen vorkommen, dass wir Pflanzen aus konventioneller, aber REWISA®‑konformer Produktion eines niederösterreichischen Partnerbetriebs zukaufen. Im Bestellvorgang können Sie aktiv entscheiden, ob solche Ersatzlieferungen für Sie in Ordnung sind – oder ob Sie lieber warten.

Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium) im Gegenlicht – heimische Wildblume für naturnahe Gärten
Schmalblättriges Weidenröschen (Epilobium angustifolium) – Pioniere wie diese sind oft die ersten heimischen Arten, die wieder Leben in eine Fläche bringen. Foto: Paula Polak

Lust auf echte heimische Pflanzen?

Entdecken Sie unser bio‑ und REWISA®‑zertifiziertes Sortiment – passend zu Ihrer Region in Österreich.

Zum Pflanzen‑Shop
Cookie-Einwilligung mit Real Cookie Banner